Translokationsdiagnostik

Translokationen gehören zu den häufigsten unilokulären Erbkrankheiten. Dabei wird von einem Chromosom ein Bruchstück auf ein anderes übertragen. Bei einer Trägerin einer balancierten Translokation ergeben sich dabei keine genetischen Unauffälligkeiten, da das Erbgut vollständig vorhanden ist, jedoch nicht auf dem dafür vorgesehen Chromosom.

Die Nachkommen dieser Trägerin einer balancierten Translokation können so gesund wie sie selbst sein (balancierte Translokation) oder zu wenig bzw. zu viel genetisches Material aufweisen. Da keine Translokation der anderen gleicht, hängt es vor allem von den betroffenen Chromosomen und der Größe des übertragenen Bruchstücks ab, welche Auswirkungen dies für die Nachkommen hat. Sehr häufig sind die unbalancierten Translokationen Ursache von wiederholten Fehlgeburten.

Die Polkörperdiagnostik mittels FISH unter Einsatz einer im Vorfeld zusammengestellten individuellen Gen-Sonden-Kombination erlaubt gezielt die mütterlichen Translokationschromosomen numerisch in den Polkörpern zu bestimmen. Dadurch ist ein indirekter Rückschluss auf eine balancierte, d.h. normale, oder auf eine fehlerhafte (=unbalancierte) chromosomale Konstellation der Eizelle möglich.

Im Zuge ihrer Reifung und Befruchtung schleust die Eizelle zwei Polkörper aus, die für die weitere Entwicklung der Eizelle und des späteren Embryos keine Rolle mehr spielen. Werden mit den eingesetzten spezifischen Sonden der Translokationschromosomen jeweils 2 Signale im 1. Polkörper und jeweils 1 Signal im 2. Polkörper sichtbar, ist eine balancierte bzw. normale Chromosomenausstattung in der Eizelle zu erwarten. Es kann sich dann entweder um die familiäre balancierte Translokation oder die normalen homologen Chromosomen handeln. Eizellen mit abweichenden Signalverteilungen im 1. und im 2. Polkörper weisen entweder auf eine unbalancierte Chromosomenausstattung oder eine Intrachromosomale Rekombination hin. Unbalancierte Eizellen werden von der Implantation ausgeschlossen.

Mit der FISH-Analyse kann ausschließlich die numerische Normalverteilung der Translokationschromosomen beurteilt werden. Es sind dabei punktförmige Signale zu erkennen.

Im Vorfeld der PKD ist eine Chromosomenanalyse für die Bestimmung der Translokationsbruchpunkte und für die Zusammenstellung einer individuellen Gen-Sonden-Kombination notwendig. Die individuell-hergestellte Sonden-Kombinationen werden an einem Lymphozytenpräparat der Translokationsträgerin getestet.

Tritt nach einer Kinderwunschbehandlung mit Polkörperdiagnostik eine Schwangerschaft ein, ist eine genetische Beratung in der ca. 10. Schwangerschaftswoche zu empfehlen, da nach Polkörperdiagnostik das Risiko für eine Chromosomenfehlverteilung bei dem erwarteten Kind zwar deutlich gesenkt, jedoch nicht ausgeschlossen ist.

Unbalancierte Translokation t(4p;15q)
Unbalancierte Translokation t(4p;15q)